Nägel

Ab Mittwoch, 19.5.2021 geöffnet!

Eine Installation von Sonya Schönberger zur NS-Zwangsarbeit auf dem Tempelhofer Feld
Bis 31. Oktober 2021

Auf dem Tempelhofer Feld befanden sich ab 1941 Zwangsarbeitslager der Deutschen Lufthansa und der Weser Flugzeugbau. Tausende Menschen unterschiedlicher Nationalitäten wurden in dieser Zeit unter menschenverachtenden Bedingungen für die nationalsozialistische Rüstungsproduktion zwangsverpflichtet. Zwischen 2012 und 2014 brachten archäologische Grabungen historische Überreste dieser Zeit zutage. Mit ihrer begehbaren Rauminstallation lenkt die Künstlerin Sonya Schönberger den Blick auf die unmenschliche Situation in den Lagern ― und verschränkt sie zugleich mit der Geschichte des Schwerbelastungskörpers.

Zwangsarbeit war im Nationalsozialismus ein Massenphänomen. Allein im Deutschen Reich wurden zwischen 1938 und 1945 rund 13 Millionen Männer und Frauen in der Industrie, Landwirtschaft und Haushalten zwangsbeschäftigt. Auch in Tempelhof beteiligten sich zahlreiche Betriebe an dieser Ausbeutung. Auf dem Tempelhofer Feld wurden während des Zweiten Weltkriegs tausende Kriegsflugzeuge gebaut – von Menschen aus halb Europa, die unter menschenverachtenden Bedingungen arbeiten und in Baracken auf dem Flughafen hausen mussten.

In ihrer Installation »Nägel« thematisiert Sonya Schönberger dieses System von Ausbeutung und Unterdrückung. Der Schwerbelastungskörper steht bis heute weithin sichtbar für die megalomane Stadtplanung der NS-Führung, die für die geplante Neugestaltung Berlins selbst zahlreiche Zwangsarbeiter_innen einsetzte. Die Installation interveniert hier und präsentiert im Schwerbelastungskörper 13.000 archäologisch geborgene Nägel, die einst die Baracken der Zwangsarbeiter_innen auf dem Tempelhofer Feld zusammenhielten. Die Sonderausstellung bietet einen einzigartigen interdisziplinären Zugang aus Kunst, Geschichtswissenschaft und Archäologie zur Erinnerung an Zwangsarbeit.

Zur Künstlerin
Sonya Schönberger verbindet in ihrer künstlerischen Praxis ihre Studien der Ethnologie und der Experimentellen Mediengestaltung. In den letzten Jahren hat sie ein Langzeitarchiv aufgebaut, für das sie in verschiedenen Ländern private Gespräche mit Zeitzeug_innen des Zweiten Weltkriegs führte. Mit Hilfe dieses „Archivs der Erinnerungen“ untersucht sie die Auswirkungen der Traumata einer Nation auf zukünftige Generationen. Sie arbeitet auch mit bestehenden Archiven wie dem Nachlass des Journalisten André Müller, der die Nachkriegszeit in Westdeutschland dokumentiert hat, indem er einflussreiche Stimmen kritisch sammelte. Ein weiteres künstlerisches Langzeitprojekt ist ihr Videoarchiv „Berliner Zimmer“, das in Kooperation mit dem Stadtmuseum Berlin 2018 begonnen wurde und hundert Jahre lang geführt werden soll. Hier kommen die Menschen zu Wort, die in dieser Stadt leben. Sie verwendet je nach Projekt verschiedene Medien wie Fotografie, Theater, Film, Installation oder Audioformate bzw. deren Kombination.

Ihr Kurzfilm „Annäherung“, in dem sie sich bereits mit den Nägeln der Grabung auf dem Tempelhofer Feld auseinandergesetzt hat, wird im Mai 2021 im deutschen Online-Wettbewerb der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen gezeigt. Infos unter: www.kurzfilmtage.de/de/

2022 ist Sonya Schönberger Stipendiatin der Villa Aurora in Los Angeles.

Weitere Infos zur Künsterin unter www.sonyaschoenberger.de

Begleitprogramm:

SA 29. Mai und SO 27. Juni I 14 Uhr:

Zwangsarbeit auf dem Tempelhofer Feld
Führung mit Prof. Dr. Reinhard Bernbeck

Anmeldungen bitte an: museum@ba-ts.berlin.de oder unter
Tel. 030 90277 6163